M. Ohler - Chancen und Gefahren starker Kopplung - heimliche oder unheimliche Beratung?

Manche Versuche, einen Begriff von Heimat zu klären, verorten Heimat in Herkünften – familiär, geographisch, sprachlich, zeitlich, geschmacklich, intellektuell, uva. Andere sehen Heimat eher zukünftig an, als Ersehntes. Ernst Bloch findet, beides verbindend, ein Verständnis von Heimat als „etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war“.

Alle Versuche bespielen Metaphern und sind emotional hoch sensibel. Ihnen scheint gemeinsam zu sein, dass es sich bei Heimat um etwas handelt, das Zugehörigkeit verspricht oder gar garantiert. Und es kommt Heimat eine eigenständige Qualität von Beziehung zu, die man anscheinend nicht so mir nichts dir nichts soll aufkündigen können.

Was bedeutet das für Beratung? Wenn wir Beratungsbeziehungen – aus einer systemischen Sicht – als Beziehungen verstehen, die von allen Beteiligten her kündbar bleiben sollen, dürfte es da nicht ratsam sein, jegliche Hoffnung auf Beheimatung in ihnen zu konterkarieren? Wie würde sich das Konzept oder sogar die Sehnsucht Heimat hier aber doch dazu eignen, Sinnstiftendes zu ermöglichen?